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Wer sich dem Schutz des kulturellen Erbes verschrieben hat, sucht nach optimalen Möglichkeiten, Schadstoffbelastungen für materielle Kunst- und Kulturgüter auch bereits präventiv¹ zu verhindern.

Vor externen Schadstoffen wie Sporen, Pollen, Staubpartikel, Schwefeldioxid, Ozon, Stickoxide oder Kohlenwasserstoffe etc. bieten moderne Museumsvitrinen weitreichenden Schutz.

Wenig Schutz hingegen bieten Vitrinen vor den internen Schadstoffquellen: Zum einen vor objektimmanenten Exhalaten², zum anderen vor Schadstoffemissionen wie Lösungsmittel, organische Säuren, Formaldehyd u.a., die direkt durch die im Vitrinenbau eingesetzten Werkstoffe freigesetzt werden können.

Während Schadstoffemissionen aus dem Exponat kaum vermeidbar sind, ist der Einfluss auf die eingesetzten Werkstoffe unmittelbar möglich.

Wenn zur Absicherung des Mikroklimas eine geringe Luftwechselrate angestrebt wird, erhöht sich innerhalb der Vitrine die Konzentration potentieller Schadstoffe aus historischen Objektmaterialien und modernen Vitrinenwerkstoffen.

Die üblichen Bewertungen von Werkstoffen nach toxikologischen Kriterien wie z.B. "E1-formaldehydfrei", "Blauer Engel", "Ökotex- Standard", "ZE-Zero Emission" u.a. sind ungeeignet, um den speziellen Materialanforderungen im Vitrinenbau gerecht zu werden, da sie völlig anderen Rahmenbedingungen entsprechen.

Die etablierten Analysemethoden und Indikatortests (z.B. Photoionisationsdetektor, Dräger-Biocheck, Oddy-Test, Glassensoren oder Acid-Detecting Strips) sind zwar bewährte Hilfsmittel, werden aber den speziellen Anforderungen nicht gerecht, da sie weder qualifizierbare noch quantifizierbare Ergebnisse liefern; verbindliche "Museums-Standards" existieren nicht.

¹ Vgl. Dokument von Vantaa. Vorschläge für eine Europäische Strategie zur Präventiven Konservierung im Rahmen des Raphael Programms der Europäischen Kommission, verabschiedet in Vantaa, Finnland, September 2000.

² Als Exhalate werden hier Schadstoffe verstanden, die vom Objektmaterial selbst abgegeben werden, oder die als Zugabe durch restauratorische oder konservatorische Maßnahmen Bestandteil des Objekts geworden sind.

 

 

  • Moderne Museumsvitrinen schützen nur vor externen Schadstoffen
  • Interne Schadstoffe u.a. aus Werkstoffen für den Vitrinenbau werden durch die geringe Luftwechselrate verstärkt
  • Werkstoffkennzeichnungen wie "E1-formaldehydfrei", "Blauer Engel", "Ökotex-Standard" oder "ZE-Zero Emission" sind für den Museumsvitrinenbau ungeeignet
  • Übliche Bewertungen nach dem AgBB-Schema werden der Situation des Mikroklimas mit geringstmöglichem Luftaustausch nicht gerecht